„Ich wollte nur Yuri zeichnen.“ – Interview mit Ratana Satis

Sag uns doch bitte zu Beginn wie eine Comic Szene in Thailand aussieht. Gibt es dort viele Frauen, die eine Bildergeschichte erschaffen? Der Durchschnitt im Westen hat nicht viel Kontakt mit diesem Markt, daher ist es schwer das Thema zu vertiefen.

In Thailand haben wir viele Zeichnerinnen. Aber unser Hauptmarkt ist der dem japanischen ähnlich – dieser konzentriert sich auf die Shounen Comics. Leider ist das Rausbringen von Comics ein langwieriger Prozess und als Resultat auch dazu führend, dass viele entstehende Seiten diese Comics illegal einscannen. Im Moment gibt es viele Verlege in Thailand, die Probleme mit eben diesen Seiten haben. Daher ersetzt der Webcomic auch langsam den Buch-/Papiercomic.

Gibt es in Thailand auch das Phänomen, dass Comics eigenartig sind oder handelt es sich um eine Nische? Ist Yuri dort auch so beliebt, wie z. B. in Japan?

Yuri ist auf jedem Markt eine Nische, so auch in Thailand.

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Es macht den Anschein, dass du eine sehr bescheidene Person bist. Wie bewältigst du die plötzliche, auch internationale Berühmtheit, die dir „Lily Love“ einbringt?

Ich halte mich nicht wirklich für berühmt. Ich mache alles so, wie vorher auch, jedoch versuche ich mehr von mir zu geben.

Handelt es sich bei „Lily Love“ um dein Debüt oder hast du vorher schon an diesem Medium versucht? Wie hast du die Idee zu dieser Geschichte entwickelt?

„Lily Love“ ist nicht mein Debüt. Ich zeichne Comics schon seit über 15 Jahren, die meisten davon sind Aktion Geschichten. Eines Tages habe ich für einen Verleger einen Yuri One-Shot namens „Concealed Live“ kreiert. Leider sind die Thailändischen Verleger nicht an diesem Genre interessiert und deshalb entstand „Lily Love“. Ich wollte nur Yuri zeichnen, also habe ich meinen Traum realisiert und tue das, was ich liebe.

Wie geht es weiter mit „Lily Love“? Können wir nach 32 Kapiteln noch eine Fortsetzung oder ein Spin-off erwarten?

Vielleicht. Ich habe mir schon etwas überlegt, jedoch hängt dies von meinem Zeitplan und meiner Freizeit ab.

Die Sexszenen in „Lily Love“ wurden zensiert. Wie geht man in deinem Land mit dem Thema Erotik um?

Ich habe die Sexszenen zensiert, weil es keine Altersbeschränkung gibt – folglich kann es jeder lesen. In Thailand gibt es damit kein Problem, trotzdem gibt es einige Leute, die immer noch etwas empfindlich beim Thema Sex sind.

 

Zuerst bekamen wir „Mentality“ – die Prequel zu „Pulse“. Hat dich die positive Annahme dazu verleitet eine längere Geschichte zu verfassen, oder wusstest du von Anfang an, dass es eine Ongoing- Geschichte wird? Wie viele Kapitel siehst du vor und weißt du auch schon, wie das Ende aussieht oder schüttelst du dir das aus den Ärmeln?

Als ich „Mentality“ kreierte hatte ich noch keine Idee, wie es weitergeht. „Pulse“ entstand erst später als Szene für einen Wettbewerb. Ich wusste aber von Anfang an, dass es eine lange Serie wird. Es fällt mir schwer zu sagen, wie viele Kapitel man noch erwarten kann, aber ich habe auf jeden Fall schon eine Idee für das Ende.

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Mel – die Protagonistin aus „Pulse“ ist eine Kardiochirurgin. Hast du für einige Szenen ein wenig recherchieren müssen ?

Ja, das musste ich. Trotzdem konzentriere ich mich aber weniger auf das medizinische Fachwissen oder Operationen. Ich konzentriere mich eher auf die Beziehung zwischen den Hauptcharakteren.

Beide deiner Werke „Lily Love“, wie auch „Pulse“ haben eine riesige Fangemeinschaft. In Facebook Gruppen und auch in Fan Foren führen sie hitzige Diskussionen, analysieren die Personen und äußern ihre Vermutungen. Liest du dir diese Vermutungen durch und lässt du dich davon auch manchmal beim Schreiben inspirieren?

Mir kommt es nicht so vor, als hätte ich eine große Fangemeinschaft. Ja, einige ausgesuchte Kommentare habe ich mir durchgelesen und natürlich sind sie auch die Quelle meiner Inspiration. Jedoch habe ich mir nicht alle durchgelesen, nur diese, die mir gefallen und die ich als Interessant empfinde.

Im Moment arbeitest du intensiv an dem nächsten Kapitel von „Pulse“. Vor nicht allzu langer Zeit erst erschien „Lily Love“ als englische Version. Hast du Pläne einige One-Shots zu zeichnen?

Im Moment habe ich keine Ideen für One-Shots, ich habe aber eine Idee für ein Extrakapitel im 4ten Band von „Lily Love“. Im Moment kostet mich „Pulse“ am meisten Zeit, daher konzentriere ich mich eher darauf.

Du kreierst ausdrucksstarke Charaktere und schlägst einen ernsteren Ton an: Entdecken der Sexualität, Krankheiten und Gewalt in Beziehungen. Hältst du dich da an die Realität?

Ja, vielleicht weil ich eine Realistin bin. Jedes Mal, wenn ich an die Geschichte der Hauptcharaktere denke überlege ich, was sich im echten Leben abspielen könnte.

Ich muss das Fragen. In deinen Comics lässt es sich schwer übersehen, dass du die Unterwäsche und die weiblichen Brüste sehr detailreich zeichnest. Gehört das zu deinen Fetischen?

(Lacht) Vielleicht.

Wir wissen, dass du Comics und Illustrationen für Bücher kreierst. Gibt es neben dem Zeichnen noch ein Medium (Animation, Literatur), indem du aktiv bist?

Nein, ich engagiere mich nicht an anderen Projekten, weil ich z. B. keine Erfahrung im Bereich Animation habe.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit der Übersetzungsgruppe Three Mesqueerteers? Es passiert eher selten, dass ein Autor einer offiziellen Fanübersetzung des eigenen Comics zustimmt.

Ah, das war eine lange Geschichte. Ich habe nicht erwartet, dass mein Comic so viele Leser außerhalb meiner Heimat interessiert. Ich habe angefangen Yuri zu zeichnen, weil ich das für mich selbst tun wollte. Ich konnte es nicht Mal an irgendeinem Thailändischen Verleger verkaufen. Ich habe sie also kostenlos auf der Plattform Ookbee veröffentlicht. Eines Tages haben mir dann ein Fan aus Thailand und Alex geschrieben und mich um die Erlaubnis gebeten, dass sie meine Arbeit ins Englische übersetzen dürfen. Ich habe sofort eingewilligt.

Einerseits arbeitest du mit der Übersetzungsgruppe zusammen und, andererseits mit dem kommerziellen Service Lezhin, auf welchem du „Pulse“ veröffentlichst. Würdest du, wenn dir ein professioneller Verleger das Angebot machen würde, eines deiner Werke zu veröffentlichen, dieser Zusammenarbeit zustimmen? Oder schätzt du diese Unabhängigkeit, die dir das Zusammenarbeiten mit den Fans und das Drucken auf eigene Kosten bietet, auch wenn dies das Fehlen einer Lizenz bedeutet?

Du musst dafür über mich wissen – ich bin faul. Ich möchte an nichts, bis auf am Zeichnen, hart arbeiten. Es wäre praktisch einen Verleger zu haben, der sich um alles kümmert, aber im Moment, gefällt es mir genauso wie es jetzt ist. Ich sehe Three Musqueerteers nicht als eine Fangruppe an. Das ist mein Team.

Aus einem Interview mit „Ratana Satis“

quelle: comixgrrrlz.pl / Sylwia Kaźmierczak 

Wir haben die Erlaubnis bekommen das Interview von Ratana Satis zu Übersetzen, ihr habt hier also die Möglichkeit in einem interview von Ratana Satis einzulesen.

Pulse: Lezhin | Lily Love: three-musqueerteers | Lily Love German: animetaku.de

übersetzung yuri scans german.

6 thoughts on “Interview mit Ratana Satis – Ich wollte nur Yuri zeichnen

  1. Danke für das Interview!
    ~ Schade das sie die Frage über die Länge von Pulse nicht beantwortet hat. 😀

  2. Danke für das Interview!

    Ich finde Ratana Satis immer sympatischer. Sie tut was sie will und das sind mometan Yuri-Manga zeichnen. Außerdem mag sie die Situation so wie sie ist, mit der Zusammenarbeit mit den musqueteer und wie es läuft. Sehr schön finde ich, dass sie auch so wie sie kann die Diskussionen, die um LilyLove und vorallem Pulse laufen auch verfolgt und davon ein Stück in ihre Werke einbezieht. Ich bin gespannt was sie in Pulse noch so vorhat. CH 26 war sehr gut und macht immer mehr lust auf mehr.

    Jetzt bleibt noch abzuwarten was uns am 30.09 und am 01.10. erwartet, da ja dort eine negative und positive Ankündigung auf uns zukommen. Aus dem Interview kann man aber so nichts schlimmes rauslesen. Ich hoffe das beste.

    Mfg

    1. Es, wird nichts wirklich schlimmes. 🙂
      Es wird in erste linie um Pulse gehen, um das release des 1 Volume.
      Und das andere, ja kann nicht wirklich gesagt werden. Aber lasst euch einfach
      überraschen.

      1. Könnt ihr die Ankündigung dann hier Posten?
        Ich finde nicht mal die Ankündigung der Ankündigung 😀

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